Das ist los mit Sophie!

Vor ca. anderthalb Jahren schickte mir meine liebe Mama einen Artikel zu dem Thema „Hochsensible Kinder“. Sie schrieb dazu „Sophie, lies dir das mal durch. Ich hab’ dich hier wieder erkannt“. Ich dachte nur „okeeee, schauste mal rein“. Es war ein Fachartikel zu dem Thema und die Merkmale hochsensibler Kinder wurden dort aufgeführt. Ich erinnere mich … „wenn, 15 dieser Merkmale auf ihr Kind zutreffen, dann ist ihr Kind sehr wahrscheinlich hochsensibel“. Es trafen alle Merkmale auf mich zu! „Na gut“, dachte ich mir und lachte „Dann weiß ich ja jetzt warum ich so ein verrücktes Kind war“. Damit war das Thema allerdings für mich erledigt. Ich hatte einfach noch zu viel andere Sachen im Kopf, die gerade in meinem Leben abgingen (Familie, Ende der Ausbildung und der damit verbundenen Stress, Auslandsaufenthalt – ja oder nein?, …).

Eine Woche bevor ich meine Seite erstellte, hatte ich mal wieder eine Auseinandersetzung mit meinem lieben Papa. Das soll jetzt nicht ironisch klingen! Erklärung: Mein Papa und ich (Papa, ich grüße dich ;)) sind uns sehr ähnlich. Vor allem teilen wir uns die Eigenschaft „Dickköpfigkeit“ – kurz gesagt, wir geraten schnell und unnötig aneinander. Das ist meistens nach einigen Stunden wieder geklärt. Während dieses Streits begann ich, ihm und meiner Mama zu erklären, wie die Situation gerade für mich ist. Ich beschrieb beiden die Vorgänge in meinem Kopf, die tiefe Betroffenheit und das Gefühl, mich und meine Person „mal wieder“ erklären zu müssen. Nachdem ich beiden ausführlich beschrieb, was gerade alles in mir vorgeht, war ich davon überzeugt „Jetzt halten sie mich endgültig für verrückt!“.
Glücklicherweise war das nicht der Fall. Durch diese Situation kamen wir nochmals auf das Thema Hochsensibilität zu sprechen und ich begann sofort mich damit auseinander zu setzten. Wir stellten ziemlich schnell fest „Das ist eindeutig ein Persönlichkeitsmerkmal von Sophie“.

Während der nächsten Tage befasste ich mich sehr intensiv mit der Thematik und plötzlich erklärten sich so viele Dinge meines Lebens, meiner Person wie von selbst. Für mich erklärte sich meine bis dahin „verrückte, verdrehte, anstrengende, problembehaftete und intensive Welt“ wie von selbst. Ich konnte mir die Frage „Was ist eigentlich falsch mit mir?“ endlich als „Das ist einfach so. Ich bin einfach so! Das ist ein Teil von mir und ich bin unglaublich dankbar das nun zu wissen!“ beantworten.
Im Laufe der Tage setzten extreme Gefühle, Einstellungen und Erkenntnisse ein: Ich will mich nicht mehr für mich und meine Person erklären müssen – weder in meinem privaten Umfeld, noch auf meiner Arbeit. Ich werde mich endlich akzeptieren können, denn ich weiß nun was Sache ist. Ich möchte etwas ändern… nein, ich werde etwas (ver-)ändern. Nur wie? Mhh…

Dieses extreme Bedürfnis etwas zu unternehmen war sehr, sehr intensiv und stark (Das ist übrigens auch ein Merkmal der Hochsensibilität —> „Mehr über meine Hochsensibilität“) also dachte ich darüber nach, in welcher Form ich etwas tun möchte. Vor einigen Wochen schrieb ich einen sehr persönlichen Text, um Gefühle und Emotionen einer schwierigen Situation aus meinem Leben endlich anzunehmen und zu verarbeiten. Zwei Menschen, deren Meinung ich sehr schätze, gaben mir zu diesem Text eine tolle, motivierende Rückmeldung. Dieser Text war mir gut gelungen und ich fand eine für mich neue Art und Weise, meine Gefühlszustände kreativ zu verpacken und zu verarbeiten… Form gefunden:

Photo by Pixabay on Pexels.com

Innerhalb von Stunden erstellte ich die Website, fing an zu schreiben und dann war ich für’s Erste fertig. Ich schrieb all’ meine Ideen für einen Blog auf und hatte sehr schnell die Seiten in meinem Gedankenbuch gefüllt. Ich erzählte auch niemanden davon, warum auch? Geht ja sowieso bald online.

Ich war voller Tatendrang, es ist mir eine Herzensangelegenheit gewesen, etwas zu tun. Und dann, am 8. März 2019 gegen 20:30 Uhr veröffentlichte ich die Seite. Teilte sie auf Facebook und Instagram und war natürlich gespannt was passiert. Ich fragte mich vorher „Was ist das Schlimmste was passieren kann? – Die Leute lachen über dich und nehmen dich nicht ernst.“ – gut, das war also geklärt.

Ich ging früh schlafen, da das lange Sitzen vor dem PC mich müde machte. Als ich morgens aufwachte, war mein erster Blick auf’s Handy, das muss ich zugeben… und ich war vollkommen überwältigt! Ich habe nie damit gerechnet, das mich in so kurzer Zeit schon so viele Menschen kontaktieren würden :)! Dafür muss ich noch mal DANKE sagen!!!


Die vielen Nachrichten über Instagram, Facebook und WhatsApp haben mir gezeigt, dass ich genau das Richtige getan habe. Ihr habt euch bedankt für den offenen Umgang, mein Vertrauen in euch, so viel über mich preis zu geben, denn das war ein Risiko, welches mir durchaus bewusst war. Eure Reaktionen haben mir Mut gemacht und jede einzelne Kontaktaufnahme hat mich sehr gefreut.

Werde Teil dieser Aufklärungsaufgabe, neue Türen zu öffnen und unsere Gesellschaft voran zu treiben. Das betrifft nicht nur das Thema Hochsensibilität, sondern viele andere Themen. Themen, welche in unserer Gesellschaft noch immer ein Tabuthema sind oder einfach nicht gesehen werden wollen.

Folgende Themen möchte ich dir nochmals ins Bewusstsein rufen:

  • Depressionen
  • Generell psychische Erkrankungen (sie sollten mehr Beachtung bekommen und die Menschen sollten sich nicht dafür schämen müssen!!! – mehr Verständnis, auch im Umgang miteinander)
  • Behinderungen/ Beeinträchtigungen aller Art und „Inklusion“ – dieses große, umfangreiche, weit entfernte Wort „Inklusion“ – Fangt erst einmal an die beeinträchtigen Menschen nicht als „anders“ anzusehen
  • Sexualität (teilweise immer noch)
  • Finanzen („Was verdienst du eigentlich?“)

Was sind für euch weitere Tabuthemen innerhalb unserer Gesellschaft?
Wie ist deine Meinung dazu?

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