Die Stadt meiner Erkenntnisse

Kennst du das? Dieses Gefühl raus zu müssen.
Aus der gewohnten (Um-) Welt auszubrechen. Etwas Neues zu erleben, neue Menschen zu treffen und eine neue Kultur kennen zu lernen. Neue Erfahrungen zu sammeln und neue Eindrücke zu gewinnen.

So ging es mir während meiner Ausbildung zur Erzieherin. Ich wusste schon lange „Irgendwann gehe ich nach Frankreich“. Wohin genau und was ich dort machen würde, das war noch unklar. Hauptsache weg!

Während des Berufspraktikums zur Erzieherin begann ich mich in einem Online – Portal für Au-Pairs anzumelden. Ziemlich schnell trat ich mit einigen Familien aus Frankreich in Kontakt. Der Ort war mir egal… dann lernte ich diese tolle Familie aus Paris kennen. Sie hatte zwei kleine Jungs und wirkten sehr sympathisch. Das Skype – Gespräch verlief hervorragend und ich entschied mich für diese Familie – Sie wohnten MITTEN in Paris – das lockte mich dann schon etwas.
Im August 2017 ging es also nach Paris. Wie stellst du dir Paris vor? Ich habe mir die Stadt folgendermaßen vorgestellt: Diese wunderschöne, typisch französische Stadt, mit viel Charme und netten Menschen. Die Stadt der Liebe und der Mode. Abends an der Seine mit Freunden und einer Flasche Wein sitzen. Baguette, Wein, tolle Architektur, Museen und guter Käse – das kann ja nur toll werden!

Jetzt gilt’s – 10 Monate Paris

Ich kam also mit meinem Papa in Paris an. Wir mussten mit dem Auto fahren, denn ich hatte definitiv zu viel Gepäck. Dieses bestand hauptsächlich aus Kleidung und ESSEN! 😀 Nicht das ich Angst hatte in Paris zu verhungern, nein! Ich habe seit einigen Jahren einige Lebensmittelunverträglichkeiten und dementsprechend brauchte ich spezielle Lebensmittel und den Thermomix! I know, that sounds crazy! Der Thermomix vereinfachte mir den Speiseplan – Dies ist keine Werbung für Thermomix!

Als ich in Paris ankam, wurde mir bewusst, was hier eigentlich auf mich zu kommt! Mein Papa und ich hatten zwei wirklich tolle „Tourismus-Tage“ in Paris.… am ersten Abend, als mein Papa noch anwesend war, weinte ich plötzlich los. Ich bekam riesige Angst, nein, es war Panik, ich könne es allein in Paris nicht schaffen. So eine große Stadt und ich bin hier ganz allein. Jetzt denkst du wahrscheinlich „Du warst doch nicht allein, du hast doch in einer Au-Pair Familie gelebt.“  Jein… ich lebte in einer eigenen kleinen Wohnung und somit war ich etwas von der Familie abgeschottet. Das hatte natürlich sehr viele Vorteile!

Die erste Woche lebte ich quasi allein, da die Jungs noch in Urlaub waren. Während dieser Zeit lief ich durch Paris und saugte alle Eindrücke dieser Stadt auf wie ein Schwamm: Eigentlich war ich dort völlig überfordert, denn es gab sooooooo unglaublich viel zu sehen und wahrzunehmen. So viele Geräusche, Gerüche, Gesichter … Ich plante jeden Tag genau: Ich überlegte mir, wohin ich gehen möchte, speicherte die Routen auf Google Maps, packte genug selbst gekochtes Essen ein, etwas zu trinken, Kopfhörer, eine Powerbank und meine Kamera. Ich musste auf „Alles“ vorbereitet sein!
Ich zog los und kam abends fix und fertig wieder in meine kleine Wohnung zurück. Doch ich war total begeistert und beeindruckt von dieser Stadt. Trotz der Anstrengung war es wie ein Traum! Paris ist einfach eine wunderschöne Stadt… doch nach ca. sechs Wochen sah das schon wieder anders aus.

Aus der Traum!

Nach einigen Wochen begriff ich, dass Paris zum Leben für mich gar nicht so schön ist. Die Stadt der Liebe ist laut, hektisch, geprägt von Schnelllebigkeit und Oberflächlichkeit. Jeden Tag diese vielen gut gekleideten Menschen, die durch die Stadt huschen und keine Zeit haben. Alle laufen bei rot über die Ampel, die Zigarettenstümmel werden einfach fallen gelassen. Menschen rempeln sich gegenseitig an, entschuldigen sich immerhin direkt wieder. Die U-Bahnen sind vollkommen überfüllt, stickig und zu heiß. Die Supermärkte sind überteuert, das Radio darin rauscht durch die Lautsprecher und alles ist zu klein. Generell ist alles in Paris teuer. Also dort zu leben, fiel mir schon schwer. Doch ich wollte unbedingt dort bleiben… Ich lernte tolle Leute aus meiner Sprachschule kennen und unternahm mit ihnen immer wieder was. Wir kamen an Orte, dort kommt man als Tourist nicht so schnell hin. Paris hat viele wunderschöne Plätze, man muss sie nur finden.

Leider klappte es mit mit meiner Gastmutter nicht immer so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Das erschwerte mir den Alltag immer wieder. Auch die zwei Jungs, waren nicht immer einfach, doch ich schloss sie natürlich schnell in mein Herz! 🙂

Dann kam noch dazu, dass mein Freund in unserem zu Hause war. Wir sahen uns alle sechs bis acht Wochen. Ihn selten zu sehen und die Entfernung zu ihm, viel mir sehr schwer. Ich hatte nach drei – vier Monaten einige tolle Freunde gefunden, wir haben heute noch Kontakt! Ich konnte mich besonders zwei von ihnen anvertrauen, dass mir das Leben in Paris so schwer fällt. Doch die sprachliche Barriere brachte mich immer wieder an meine Grenzen.
Irgendwann hielt ich mich hauptsächlich in meinem 9 Quadratmeter – Zimmer auf, schaute Serien, ging abends mit Freunden „nur was trinken“ und schlief lange. HALLO? Ich lebe in einer wunderschönen Stadt, es gibt jeden Tag die Möglichkeit Neues zu sehen und zu erleben und ich sitze in meinem kleine Zimmer und blase Trübsal?!
Nach sechs Monaten in Paris entschied ich mich dazu, doch früher nach Hause zurück zu kehren. Diese Entscheidung fiel mir definitiv nicht leicht, denn ich wollte meine Gastfamilie nicht im Stich lassen! Also sprach ich erstmal mit meiner Gastmutter und wir einigten uns auf einen Zeitpunkt, sodass sie genug Zeit hat, ein neues Au-Pair-Mädchen zu finden.

  1. April – Geburtstags- & Abschiedsparty
Maria & me

Am 1. April war mein Abreisetag und gleichzeitig der Geburtstag meiner liebsten Freundin in Paris. Am Abend des 31. März 2018 fand die Überraschungs-Geburtstags-Abschiedsparty für Maria und Sophie statt. Dieser Abend war legendär! Wir feierten, lachten, quatschen sehr viel über die gemeinsame Zeit. Wir waren einfach eine coole Gruppe geworden. Mir fiel der Abend sehr schwer, denn ich plagte mich mit unterschiedlichsten Gefühlen. Ich war so glücklich und gut gelaunt, meine Pariser Freunde um mich zu haben und mit ihnen zu feiern. Gleichzeitig war ich tief traurig, sie bald nur noch über Social Media um mich zu haben. Im nächsten Moment dachte ich an meinen Freund, meine besten Freunde in Trier und an meine Familie. Diese Vorfreude war natürlich riesig! Es war einfach ein anstrengendes Gefühlschaos.

Gegen 3 Uhr Nachts kam ich in meiner kleinen Wohnung an und alles war schon gepackt. Am Morgen des 1. Aprils wachte ich schon vor dem Wecker auf – das passiert mir nie! Ich säuberte nochmals die Wohnung und trank gemütlich einen Kaffee – mich überkamen immer wieder Gefühle von Traurigkeit und Freude zugleich. Dann stand mein liebster Freund aus Paris vor der Tür und wir schleppten schweigend das Gepäck sechs Stockwerke nach unten. Wir fuhren mit seinem Auto zum Gare de l’est und hörten unsere gemeinsamen Lieblingslieder. Am Bahnhof überkam es mich dann total, mein Kumpel verabschiedete sich und ich brach in Tränen aus! Mir wurde bewusst, was ich in dieser doch so schönen Stadt für tolle Menschen traf.

Ich bin unglaublich dankbar für die vielen Erfahrungen, die ich sammeln konnte. Ich bin dankbar für die Begegnungen mit diesen Menschen aus aller Welt. Und ich bin dankbar, wieder in Trier zu sein. Ich weiß meine gewohntes Umfeld so viel mehr zu schätzen, als vorher!

Am Schönsten ist es doch immer noch zu Hause

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