9. April 2019 / Arena Trier / AnnenMayKantereit

Die Band verlässt nach ihrer Verabschiedung die Bühne. Plötzlich stehen sie auf der Tribüne mitten im Publikum und singen mit begleitender Gitarre folgende Zeilen:

„Ich hab gedacht ich hab sie abgehängt, aber sie holt mich immer wieder ein.

Sie tut mir bis heute weh und hat mich so oft abgelenkt…
Ich will ein Meer zwischen mir und meiner Vergangenheit. Ein Meer zwischen mir und allem was war. Ich will ein Ozean!“

Ich schaue verwirrt um mich herum und suche die Jungs in der Menge, doch ich kann sie von Block M aus nicht sehen. Ich begebe mich zurück auf meinen Platz, schließe die Augen und lausche der Gitarre und dieser besonderen Stimme:

Die Welle der Musik trägt mich von Beginn an des Liedes. Unbewusst springe ich auf die Welle der Gefühle auf, welche sich mit der Musik vereinen: Ich bekomme Gänsehaut, dieses Lied berührt mich sehr! Mir steigen die Tränen in die Augen, denn ich kenne diese Gefühle! Die Vergangenheit vergessen zu wollen, nach vorne zu schauen und positiver weiter zu machen… gar nicht so leicht! Ich will nicht nur ein Meer zwischen mir und meiner Vergangenheit, sondern einen Ozean! Es fällt mir sehr schwer die Tränen zu unterdrücken. Ich lasse sie zu, weine und es tut gut!

Update: 21. September 2019:
Im April 2019 habe ich das Lied „Ozean“ zum ersten Mal gehört und sofort verinnerlicht, mich darin total wieder erkannt und es hat mich tief berührt. Heute empfinde ich noch das Gleiche, wenn ich das Lied höre, doch nun folgen positive Gefühle. Gefühle der Erkenntnis: Es ist vollkommen okay, Abstand zu seiner Vergangenheit oder zu seinem „früheren Ich“ zu wollen. Allerdings wäre ich nicht so, wie ich jetzt bin, wäre mein Weg nicht steinig gewesen. Schwierige Zeiten haben mich geprägt, gestärkt und mich fallen lassen. Doch die Kunst des Lebens ist es, wieder auf zu stehen, dankbar für diese Erfahrung zu sein und nach vorn‘ zu schauen.


Einige Lieder vorher… Ansage von Schlagzeuger Severin Kantereit:

„Das nächste Lied ist für zwei Menschen, die wir vor einigen Jahren verloren haben“ Mit dieser Ansage beginnt die Band das Lied „Sieben Jahre“ zu spielen. Ich kenne das Lied, habe es allerdings noch nie so bewusst gehört. Die Ansage in Verbindung der Zeilen treffen mich sofort!
Bei mir ist es nun acht Jahre her, dass ich ihn das letzte Mal sah. Unser Freundeskreis war noch nie stärker, als in dem Moment, als er plötzlich von uns ging. Immer seltener begegnen mir Momente, in denen ich an die gemeinsame Zeit mit diesem Freundeskreis denke, denn es tut weh! Wieder steigen mir die Tränen in die Augen und ich spüre den Schmerz von damals. Doch ich habe gelernt ihn zuzulassen und er hat Raum für sich. Der Schmerz darf da sein…

Vorletztes Lied „Pocahontas“ – Die Arena Trier bebt und flippt aus – 5800 Menschen singen das gesamte Lied mit und sind wie wild am Tanzen.

Wieder bekomme ich Gänsehaut, doch diesmal vor Freude! Ich bin positiv ergriffen von diesen vielen Menschen. Sie feiern und ich kann kaum glauben, was hier gerade passiert 😀 In dieser Halle herrscht eine unglaublich positive Stimmung und ich bin überzeugt: Jeder kann sie spüren! WAHNSINN! Und wieder geht es los.. die Tränen kullern entlang meiner Wangen, doch das ist totale Freude.
Diese positive Energie, welche in der Halle herrscht, hat die Oberhand gewonnen. Ich bin nun erfüllt von der positiven Energie.

Die Vorstellung wie unbeschreiblich toll das für die Jungs auf der Bühne sein muss: Wenn tausende Menschen ihre Lieder singen und sie die Menge mitreißen. Sie nehmen dich mit auf ihre Reise der Gefühle in ihre Welt der Musik. Dieser Gedanke bereitet mir noch mehr Gänsehaut und Freudentränen.

Letztes Lied, eines meiner Lieblingslieder, um abzugehen „Ich geh heut nicht mehr tanzen“:


Die Ukulele erklingt und mein Herz macht vor Freude einen Satz nach vorn. Henning beginnt zu singen und ich bin schon ganz heiß auf den gleich einsetzenden Basslauf und die Drums. Natürlich muss getanzt werden… Meine Freude dieses Lied live zu erleben – zu hören, zu sehen, zu fühlen, mich darauf einzulassen, abzugehen, mich zu freuen und kurz vorm Platzen zu sein – ist soooooooo intensiv, es fällt mir etwas schwer meine Gefühle zu beschreiben. Ich schwebe auf eine Wolke voller Glückshormone.

Kurz nach dem Konzert schießen mir gefühlt hunderte Gedanken gleichzeitig durch den Kopf. Ich versuche sie zu verlangsamen, sie mir bewusst zu machen, um sie nicht wieder zu vergessen. Zu den Gedanken kommen die vielen unterschiedlichen Gefühle wie Freude, Gelassenheit, Zufriedenheit, teilweise auch Betroffenheit – wegen der emotionalen Lieder- Glück und positive Energie erfüllen meine Seele und meinen Körper! Ich genieße diesen Zustand und möchte ihn am Liebsten für immer fest halten. Ihn einschweißen und immer wieder hervor rufen können!
Zu Hause angekommen, schnappe ich mir sofort mein Gedankenbuch, um meine Gedanken, Gefühle und Zustände zu verschriftlichen.

Die nächsten Tage spüre ich verstärkt, wie viel Energie ich aus diesem Konzert ziehe! Ich bin noch immer erfüllt von diesen positiven Empfindungen und höre in jeder freien Minute die Lieder von Annenmaykantereit. Ich habe gleichzeitig Angst, diese wahnsinnig tiefen Empfindungen verlieren zu können, denn sie sind so einzigartig, so besonders!

Deshalb sitze ich nun hier… höre die Lieder, schließe die Augen und beame mich zurück zum Dienstagabend in der Trierer Arena.

Das sind die unglaublich dankbaren und schönen Seiten der Sensibilität! Solch’ tiefe Empfindungen und Gefühle habe ich immer wieder, wenn ich selbst musiziere. Doch von anderen Musiker in diesen Zustand versetzt zu werden, kommt selten vor.
Ein großes Dankeschön an die Band: für eure Musik, eure Emotionen und Gefühle, die ihr in eure Musik verpackt. Denn das macht Musik aus – Emotionen, Gefühle und Zustände in Musik umhüllen und sie für unsere Mitmenschen greif- und spürbar werden zu lassen ❣

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