Teil 1 – Samstag, 20. April 2019, 19:55 Uhr / Abflug von Frankfurt nach Djerba (Tunisien):

Mein Freund und ich sitzen im Flugzeug, er am Fenster, ich neben ihm und ein fremder Mann sitzt auf der anderen Seite neben mir. Meine Hände sind feucht vor Schweiß und es läuft mir kalt den Rücken herunter. Ich schließe die Augen und atme tief ein und aus. Ich stimme mich dem Flug gegenüber positiv ein und vertreibe die negativen Gedanken.

„Ich kontrolliere die Angst! Ich habe sie im Griff! Sie darf da sein, das ist okay. Doch ich habe mehr Raum für die positiven Gedanken und die Vorfreude auf den Urlaub.“

IMG_3369Das Flugzeug beginnt zu rollen und ich atme weiter tief ein und aus, versuche erneut meine Hände zu entspannen, welche nicht wissen wohin mit sich. Das Flugzeug wird schneller und hebt ab… ab diesem Moment habe ich mich nicht mehr unter Kontrolle, so sehr ich es auch möchte! Ich bekomme einen weiteren Schweißausbruch, mein Herz rast und ich atme viel zu schnell. Die Tränen schießen nur so aus mir heraus und ich kann sie nicht zurück halten. Ich schließe die Augen und kehre immer wieder zurück zu den positiven Gedanken, doch ich komme gegen die Panik nicht an. Im Endeffekt lasse ich sie zu und schäme mich gleichzeitig! Mein Freund nimmt meine Hand und gibt mir etwas von seiner Ruhe ab. Er liebt das Fliegen und genießt den Start. Ich sitze daneben und heule rum… naja, immer noch besser, als sich zu übergeben! Nach ca. 10 Minuten kann ich mit dem Weinen aufhören. Ich bestelle mir einen Becher Wein und beruhige mich langsam. Erst nach 20 – 30 Minuten kann mein Körper sich einigermaßen entspannen. Ich merke ziemlich schnell, dass das Fliegen gar nicht so schlimm ist und die Angst nur in meinem Kopf ist. Wir kommen zeitig auf Djerba an und ich habe den Flug überlebt 😉

Flugangst? Ich wusste, ich werde während des Fluges nervös sein. Doch mit solch‘ einer Panik habe ich selbst nicht gerechnet! Es war wieder wie in Prüfungen… ich hatte mich einfach nicht unter Kontrolle, so sehr ich es auch wollte.

Ca. 22:30 Uhr, Ankunft im Hotel:

Wir haben ein tolles Hotel in unmittelbarer Nähe des Strandes gebucht. Das Zimmer ist sauber, wunderschön und wir haben von dort aus Blick auf das weite Meer.

Unsere Urlaubstage sahen so aus:
Wir stehen gemütlich auf, gehen zum überragenden Frühstücksbuffet und genieße die leckeren Backwaren aus der hauseigenen Bäckerei. Anschließend packen wir den Rucksack für einen Ausflug an den Pool oder ans Meer (Handtücher, Bücher, Getränke, Sonnencreme, Sonnenhut). Ab 13 Uhr können wir dann schon zum Mittagessen. Wieder ein großes Buffet an umfangreichen Speisen. Mit vollem Bauch geht’s dann zurück an den Strand oder an den Pool. Dort entspannen wir uns im Wechsel in der Sonne und im Schatten. Wir lesen unsere Bücher, schwimmen, hier und da mal ein Drink… einfach mal die Seele baumeln lassen.

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Ich sitze auf meiner Liege am Strand und muss erst mal alles erfassen, was um mich herum passiert: Ein paar vereinzelte Menschen auf ihren Liegen oder im Meer. Viel, sehr viel Wasser und Sand. Die Sonne strahlt sehr hell und warm. Es riecht etwas nach Salzwasser, aber nicht so stark, wie ich es von der Nordsee aus meiner Kindheit kenne. Es herrscht eine angenehme Ruhe und ich kann dem Rauschen des Meeres folgen.
Immer wieder kommen Hut-, Schmuck- oder Palmenverkäufer vorbei. Sie bedrängen uns nicht, denn sie dürfen nicht bis zu unseren Liegen vortreten. Sie winken aus der Ferne und hoffen, das jemand reagiert. Es reiten Pferde am Strand entlang und kleine Karawanen von Dromedaren ziehen langsam an uns vorbei. Noch nie zuvor habe ich Dromedare gesehen und mein Blick bleibt an ihnen hängen. Sie sind sooo groß und ich kann ihre Höcker nicht erkennen, da gepolsterte Sitze auf ihren Rücken befestigt sind. Diese sind mit einfachen Seilen fest gemacht. Ich kann erkennen, dass manche einen Maulkorb tragen, andere nicht.

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Was mir sofort auffällt: Die kleinen Karawanen sind sehr eng aneinander gebunden. Ich beobachte zwei große und zwei kleinere Dromedare, welche sich nicht weit von uns entfernt in den Sand legen: das vordere Dromedar klappt seine Beine ein und legt sich hin. Das Zweite ist gezwungen sich auch hinzulegen. Das Dritte ist etwas kleiner und ist ist auch gezwungen, sich hinzulegen. Nur das kleinste Dromedar, es sieht aus wie ein Babydromedar, ist nicht angebunden. Es steht nun rum und schaut dämlich durch die Gegend. Eigentlich war ich mein Buch am Lesen, doch diese Tiere haben meine volle Aufmerksamkeit. Ich möchte mehr über sie erfahren und sie berühren. Vor allem das Kleine, denn es sieht so flauschig aus. Nach langer Beobachtung und Überlegung, gehe ich auf die Dromedare zu, um meine Neugierde zu befriedigen.

 

IMG_3217Ich begrüße den dazu gehörigen Mann und er sagt direkt: „Streicheln? Kein Problem. Umsonst. Kostet nicht.“ Ich bin überrascht, da er mich auf Deutsch anspricht und eine gute Aussprache hat! Ich streichle das kleinste Dromedar und es ist flauschig, nicht so wie ich es mir vorgestellt habe, etwas mehr strohig. Es schaut mich an und gibt einen Laut von sich. Ich muss lachen, denn es klingt süß und doof zugleich. Der Mann ist sehr nett und er beantwortet mir meine Fragen zu den mir unbekannten Tieren. Das Dromedar-Baby heißt Jasmin und ist erst fünf Monate alt. Der Mann lässt mich einen kurzen Moment allein mit seinen Tieren und geht etwas Wasser holen. Nun mischt er Milchpulver mit dem Wasser und drückt mir die Babyflasche in die Hand. Ich setzte mich mit Jasmin in den Sand und gebe ihr die Flasche. Mein Herz für Tiere macht tausend Sprünge und erweicht ziemlich schnell. Jasmin leert sehr schnell die Flasche und der nette Herr macht ihr eine Neue. Währenddessen streichle ich sie und sie scheint es zu mögen, denn sie neigt ihren Kopf in meine Hand. Glücksgefühle strömen durch meinen Körper.

 

IMG_3238Ich sitze relativ lange bei dem Mann und seinen Dromedaren. Ich genieße die Anwesenheit dieser Tiere, vor allem die von Jasmin. Es ist für mich sooo spannend sie zu beobachten und es erfüllt mich einfach mit unbeschreiblicher Freude. Gleichzeitig tut es mir weh zu sehen, wie die Tiere gehalten werden. Sie sehen nicht sehr gepflegt aus. Sie haben viele kahle Stellen im Fell, und seltsame Flecken an den Beinen. In den nächsten Tagen beobachtete ich, wie andere Männer mit ihrer Dromedar-Karawane umgehen und da läuft es mir manchmal kalt den Rücken hinunter 😦 Mir wurde klar, dass der Mann, den ich antraf, liebevoll mit seinen Tieren umgeht. Jedes Mal, wenn wir am Strand waren, beobachtete ich die Dromedare und suchte Jasmin, doch sie war nicht mehr da. Nun war ein anderes Dromedar-Baby mit dem mir bekannten Mann unterwegs. Bevor wir abreisten, gingen wir am Morgen nochmals an den Strand.

Es sollte so sein: In diesem Moment legten sich drei Dromedare in den den Sand und der nette Herr war wieder da. Ich ging auf ihn zu und er erinnerte sich an mich. Er sagte mir, Jasmin hätte ein paar Tage frei. Es kam mir komisch vor, meine Intuition sagte mir, dass hier etwas nicht stimmte. Ich fragte allerdings auch nicht weiter nach, denn der Mann erzählte mir direkt von dem heutigen Dromedar-Baby, welches nur 3 Monate alt war.

 

IMG_3265Fazit: Mein Herz für Tiere wurde erweicht, als ich Jasmin streichelte und fütterte. Sie ging mir nicht mehr aus dem Kopf! Ich bin sehr dankbar dafür, diese tiefe Zuneigung und Freude zu Tieren spüren zu können. Das hatte ich schon immer und machte mich schon immer sehr glücklich. Es fühlt sich an, als hätte ich sehr schnell eine Verbindung zu Tieren.
Allerdings tut es im gleichen Moment auch sehr weh, denn ich weiß nicht, was mit Jasmin passiert, wie sie wirklich gehalten wird. Ich werde es auch nie erfahren. Diese Menschen leben davon, das wir Touristen auf ihren Dromedaren reiten. Der Mann, den ich dort traf, war sehr sympathisch und ging toll mit den Tieren um. Doch ich wollte einfach kein Teil der Touristen sein, die auf den Dromedaren rumsitzen und am Meer entlang geführt werden. Auch wenn die Menschen damit ihr Geld verdienen, möchte ich diese Tierhaltung nicht unterstützen!

Teil 1 meiner sensiblen Erfahrung auf Djerba dreht sich hauptsächlich um das interessante Dromedar. Kennst du solche Momente? Hattest du auch schon Erfahrungen dieser Freude und gleichzeitigen Schmerzen mit Tieren?

Ein Artikel für Interessierte:

https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2012-06/unterschaetztes-tier-dromedar

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