Poolgeschwätz

Entspannungsurlaub auf Djerba Teil 2
Heute möchte ich das Thema „Wahrnehmung von hochsensiblen Menschen“ aufgreifen. Das ist für mich, neben der Emotionalität, eines der alltäglichsten Dinge, die mich immer wieder ein Stück zurückwerfen.

Zu der feinen Wahrnehmung habe ich euch in vorherigen Blogartikeln Einblicke gegeben. Im Alltag fällt es mir oft schwer z.B. Hintergrund- von Vordergrundgeräuschen zu trennen. Diese Trennung ist selten bis nie vorhanden: Viele akustische und visuelle Wahrnehmungen strömen auf mich ein und meinem Gehirn fehlt ein Filter, um nun die unwichtigen Dinge von den Wichtigen zu unterscheiden. Das heißt, ich nehme meine Umwelt ungefiltert wahr und es entsteht eine Reizüberflutung. Diese stresst mich innerlich sehr und macht mich nervös. Ich fühle mich überfordert und möchte die Situation so schnell wie möglich auflösen!

Dieses Phänomen möchte ich euch nun anhand zweier Situationen während des Urlaubes nahe bringen:

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Poolgeschwätz Teil 1

Es ist nach dem Frühstück, mein Freund und ich suchen uns einen freien Platz am großen Pool. Die zwei einzigen freien Liegen befinden sich neben einer fünfköpfigen Gruppe junger Frauen, die fleißig Cocktails schlürfen und gut drauf sind. Wir legen unsere Handtücher ab, dann wird noch mal fleißig eingecremt und anschließend möchte ich mein Buch weiterlesen. Ich freue mich sehr darüber, endlich mal Zeit und Ruhe zum Lesen zu finden. Im Alltag gelingt mir dies eher selten. Nach noch nicht einmal drei Minuten stelle ich fest: Die Mädels sind einfach zu laut! Ihr Gelächter und ihr Gerede stört mich total. Ich kann sie nicht verstehen, denn sie sprechen russisch. Auch das ist nicht das Problem… das Problem ist, ich empfinde sie als zu laut und kann mich nicht auf mein Buch konzentrieren. Ich frage meine Freund „Findest du auch, dass die Mädels zu laut sind?“ Er antwortet nüchtern „Nö“ und liest sein Buch weiter. Also versuche ich mich zu konzentrieren, ich will nicht wieder eine Extrawurst und den Platz wechseln. Zudem ist sowieso keine andere Liege frei und ich denke mir „Gut Sophie, da musst du jetzt einfach mal durch!“. Immer wieder schweife ich von meinem Buch ab, weil ich die Akustik der jungen Frauen nicht ausblenden kann. Ich wiederhole die gelesenen Sätze immer wieder … „Mist! Es klappt einfach nicht!“ und lege mein Buch zur Seite. Ich beobachte das Poolgeschehen. Ihr müsst wissen: Ich habe absolut gar kein Problem damit, dass die Mädels Spaß haben und ihre Cocktails genießen! Ich kann es einfach nicht ausblenden…

„Musik auf die Ohren“ bringt auch nichts „Mist“. Ich müsste die Musik auf den Kopfhörern relativ laut einstellen, um die Mädels nicht mehr zu hören. Doch das wäre zu lautstark, um mich zu konzentrieren… ich werde innerlich nervös. Ich merke wie mein Körper sich anspannt und mein Kopf nach einer Lösung sucht. Ca 15 bis 20 Minuten später, wird auf der anderen Seite des Pools eine Daybed frei. Das ist meine Chance! „Martiiiiiiiiin“ sage ich mit einem Wimpernschlag „Können wir bitte auf das freie Daybed da vorne wechseln. Ich kann mich einfach nicht auf mein Buch konzentrieren …“. Etwas genervt aber verständnisvoll wechselt mein Freund mir zu Liebe die Liegen.

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Noch mehr Poolgeschwätz“

Angekommen auf den neuen Liegen, kann ich mich nun wieder freuen und entspannen! Die Situation hat mich innerlich ganz schön gestresst. Ich halte mein Buch noch keine fünf Minuten in der Hand und ein junger Mann macht seine Musik über eine Bluetooth-Box an und springt in den Pool. Er schwimmt immer wieder weg vom Poolrand, wo seine Musik läuft. Ich verstehe diese Menschen nicht immer! Ich gehe freundlich auf ihn zu und bitte ihn, die Musik etwas leiser zu machen. Im selben Moment beginnt am Strand ein Bagger an zu schaufeln. Ich gebe mir allergrößte Mühe, ruhig zu bleiben und mein Buch zu genießen. Denn „Die Musik ist immer noch zu laut!“ und dann dieser Bagger aus der Ferne.

Die Freundin des jungen Mannes hüpft zu ihm in den Pool und sie schwimmen weg von der Musikbox. „Das kann ich ja nun gar nicht nachvollziehen! Wir sind hier in einem Entspannungshotel, es herrscht jeden Tag eine angenehme Ruhe. Ein bisschen Rücksicht erwartet man dann doch.. vor allem, wenn man Musik anmacht und dann wegschwimmt. Ergibt für mich einfach keinen Sinn!“. Mein erster Impuls ist aufzustehen und die Musikbox in den Pool zu werfen 😀 Das kann ich natürlich nicht machen. Schon wieder spannt mein Körper sich an und ich kann dem Buch nicht mehr folgen. Dieser Urlaub ist sooo reizarm, doch jetzt ist die akustische Wahrnehmung minimal über meiner Grenze.

Seit ich mich mit dem Thema „Hochsensibilität“ befasse, verstehe ich solche inneren Impulse. Statt „Warum bin ich nur soooooo sensibel“ mit einem negativen Unterton zu denken, denke ich nun „Ich bin eben sensibel :)“.

Dieser Vorgang, sich nicht an wiederholende Reize zu gewöhnen (hier: Bagger & Musik), fällt uns hochsensiblen besonders schwer. Diese Fähigkeit der Habituation (Gewöhnung) besitzt jeder Normalsensible. Hochsensible kämpfen dann mit dem einmal Wahrgenommenen, das nicht wieder aus dem Bewusstsein verschwindet.

Deshalb versichere ich mich in diesem Moment nochmals bei meinem Freund, wie er die Lage sieht „Findest du die Musik zu laut?“. Diesmal fühlt auch mein Freund sich gestört von der Musik. „Zuuuuuuum Glück, nicht schon wieder eine Extrawurst für Sophie :D“ denke ich. Nun geht er auf das Pärchen zu und bittet sie darum, die Musik leiser zu machen. Der ältere Mann neben uns, auch mit einem Buch in der Hand, äußert seinen Dank mit einem „Daumen hoch“. Es ging also nicht nur uns so.

IMG_3324Fazit:
Mir ist bewusst, dass mein Alltag geprägt von Reizen ist, meist findet eine Überreizung statt. Intuitiv habe ich mir angeeignet, Situationen, welche mich überfordern könnten, aus dem Weg zu gehen. Natürlich ist es nicht immer machbar, allem aus dem Weg zu gehen. In meinem Beruf als Erzieherin an einer Förderschule treten vermehrt Situationen auf, in denen ich eine Reizüberflutung habe. Diesen kann ich dann nicht entfliehen. Ich lerne noch immer mit solchen Situationen umzugehen und suche nach Lösungen! Wenn du solche Situationen kennst, teile mir sehr gerne mit, wie DU damit umgehst :

Ich hätte nicht gedacht, dass ich während des Entspannungsurlaubes in reizüberflutende Situationen gerate. Diese zwei Situationen waren zum Glück gut auszuhalten und zu lösen. Vor allem, waren sie nur für den Moment zu viel.

Die Aufgabe für jeden hochsensiblen oder feinfühligen Menschen, der Probleme mit Reizüberflutungen hat, ist es eine Lösung für sich zu finden, damit umzugehen! Ich denke, es gibt keine Patentlösung. Jeder muss hier in sich hinein horchen und seiner Intuition folgen! 🙂

Auch ich arbeite an einem „Strategieplan“ für solche überfordernde Situationen. Hast du fragen dazu? Gerne tausche ich mich mit dir darüber aus, vielleicht kommen wir gemeinsam voran!

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