Mein Weg durch die Depression

Heute möchte ich ein Thema ansprechen, das mir sehr am Herzen liegt: Psychische Erkrankungen. 

„Wieso schreibt sie darüber?“ – weil ich selbst einige Jahre mit Depressionen zu kämpfen hatte. Ich habe mich jahrelang dafür geschämt, „Freunde“ verloren, Freunde dazu gewonnen, mich selbst verloren. Ich habe lange versucht diese negative Gefühlswelt zu verstecken oder gar zu verdrängen. Doch irgendwann konnte und wollte ich sie nicht länger verstecken.
Als ich an diesem Punkt angelangt war, begann ich langsam mit einigen guten Freunden und Familienmitgliedern über die Depression zu sprechen. Ich erzählte ihnen von meinen Ängsten und das ich mir Hilfe gesucht habe. „Nimmst du denn auch Medikamente?“ war die häufigste Frage. „Nein, das möchte ich nicht!“ war meine Antwort. Ich wollte nicht in einer „falschen Welt“ leben, sondern mich meinen Ängsten stellen!

Ob das der Beginn war?

Seit meinem 16. Lebensjahr kämpfte ich mit unterschiedlichsten, tiefen Ängsten und dunklen Gedanken. Als ich 18, 19 Jahre jung war, hatte die Depression ihren Höhepunkt und mich voll im Griff. Die Ängste wurden immer größer, Alpträumen bestimmten meinen Schlafrhythmus und es viel mir schwer, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die schulische Ausbildung zur Erzieherin machte mir großen Spaß, doch die negativen Gefühle übernahmen regelmäßig das Steuer. 
Ich eignete mir die ungesunde Philosophie an, den Schmerz zu betäuben. Trank ich Alkohol, war mein Kopf ganz neblig und die Negativität wurde einige Stunden verdrängt. Ich tanzte regelmäßig mit Freunden die Nächte durch und fühlte mich einige Stunden super. Mein Leben orientierte sich nach den Wochenenden und Partys. Ich zog mich immer wieder zurück und sagte kurzfristig Freunden ab, wenn das Loch gerade soooo tief war. Dieses Loch wurde immer größer und irgendwann kam ich aus ihm nicht mehr heraus. 

Während ich in meinem tiefen Loch saß, fragte ich mich immer wieder „Wer war ich überhaupt? Was wollte ich denn überhaupt mit meinem Leben anfangen? Welchen Sinn hat das Leben für mich?“ Weiß man das denn schon mit 19 jungen Jahren? 

Mit Hilfe meiner Eltern suchte ich eine Psychotherapeutin auf. Die ersten Wochen saß ich nur da und weinte. Es war unglaublich anstrengend und schmerzhaft, die Wahrheit über mich und meine Gefühle zuzulassen und auszusprechen. Doch nach einiger Zeit lernte ich mich selbst besser kennen und begann Grenzen zu ziehen. Ich wägte ab, was ich für mich möchte und was nicht. Welche Menschen oder Ereignisse tun mir gut und von welchen halte ich besser Abstand. 

Der Beginn!

Plötzlich nach ca. 2 Jahren Therapie… ein heftiger Rückschlag. Von dem einen Moment auf den Anderen schlug mich das Leben um und ich sah kein Ende mehr. So schnell saß ich wieder in meinem tiefen, dunkeln Loch. Ich hatte nicht die alleinige Kraft, aufzustehen und weiter zu leben. Ich begann wieder den Schmerz und die Ängste zu betäuben. Ich konnte morgens nicht aus dem Bett aufstehen, isolierte mich in meinem schönen WG-Zimmer, aß nicht anständig und lebte sinnlos in den Tag hinein. 

Doch da war diese handvoll Menschen, die genau das Richtige taten: Sie standen auf meiner Matte und scheuchten mich aus dem Bett. Sprachen mir Mut zu und zeigte mir den Weg zu positiven Gedanken. Sie hatten ein offenes und ehrliches Ohr für mich und meine Situation. Zusätzlich war da zum Glück meine Therapeutin und die Musik! 

Dieser Rückschlag des Lebens war für mich so unbeschreiblich schmerzhaft, doch er war der unbewusste Beginn meines Lebens. Ich lernte diesen Schmerz zu akzeptieren, ihn auszuhalten und über ihn zu sprechen. Diese tollen Menschen, meine Therapeutin und die Musik halfen mir dabei! Ich schaffte es jeden Monat ein Stückchen mehr, das Leben zu genießen und Spaß mit ihm zu haben. 

Heute

Nun bin ich 24 Jahre jung und ich fühle mich seit einigen Monaten erstmals „angekommen“ in meinem Leben. Ich stelle mir die Frage, ob die Depressionen mit meiner sensiblen Art zu tun haben? Ja, auf jeden Fall! Ich denke, hätte ich mich und meine feinfühlige Art vielleicht schon mit 16 Jahren verstehen können, wäre es halb so schlimm geworden. Doch auch das weiß ich nicht 100%ig.

Heute bin ich dankbar für mein Wissen über mich und meine Sensibilität! Ich bin dankbar für die Erfahrungen, welche ich während der Depressionen gemacht habe. Nur durch hinfallen und Schmerz lernt man, das Leben zu schätzen und die kleinen, schönen Dinge zu erkennen. Du wirst stärker und reifer und wirst auf Dauer von ihnen profitieren können.

Ich möchte offen und ehrlich über psychische Erkrankungen sprechen und schreiben können! Ohne das Gefühl, mich dafür schämen zu müssen. Und genau das ist das Problem einer Gesellschaft, die doch schon so „krank“ ist. Immerhin leiden jährlich 27,8% der erwachsenen Gesellschaft an einer psychischen Erkrankung. Von diesen 27,8% nehmen nur rund 18,9% professionelle Hilfe in Anspruch (Deutsche Gesellschaftfür Psychiatrie und Psychotherapie,Psychosomatik und NervenheilkundeZahlen und Fakten der Psychiatrie und Psychotherapie“ Stand: Januar 2019).

Du solltest dich nicht für deine Gefühle schämen und sie verstecken. Psychische Erkrankungen kommen häufiger vor, als du denkst. Der erste Schritt ist allerdings, zu verstehen, dass man Hilfe benötigt. Offene Gespräche mit Freunden, Familie oder auch Selbsthilfe- und Gesprächsgruppen können dir zu diesem Schritt verhelfen.

Wie sieht es bei unseren Kindern aus? Noch nie hatten wir so viele kranke Kinder und Jugendliche, wie in der heutigen Zeit (Auszug aus dem Buch „Kindheit 6.7.“ von Michael Hüter).
„Wie die aktuellen Daten der Langzeitstudie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland des RKI zeigen, sind mittlerweile rund 17% aller Kinder und Jugendlicher psychisch auffällig. Immerhin 6% aller Kinder sind von den Symptomen so schwer betroffen, dass von einer behandlungsbedürftigen Störung auszugehen ist.“

Auch meine kleine Umfrage auf Instagram zeigte ähnliche Ergebnisse:

  • Bist du sehr sensibel und hast/hattest mit Depressionen zu tun? – 28% antworteten mit Ja
  • Bezeichnest du dich als nicht unbedingt (hoch-)sensibel und hast mit Depressionen zu tun (gehabt)? – 27% antworteten mit Ja 

Klicke, um auf Factsheet_Psychiatrie.pdf zuzugreifen

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