„Saunieren, wie schön! Da kann ich mich total entspannen“ Wie oft habe ich diesen lobenden Satz gehört. Ging mir nie so… doch seit Kurzem schon!
Vor ca. zwei Jahren habe ich mit meinem Freund einen Saunatag gemacht. Wir hatten die Vereinbarung getroffen, dass ich mich darauf einlasse und es mal ausprobiere. Allein der Gedanke komplett nackt mit wildfremden Menschen in einem Raum zu sitzen und zu schwitzen, hat mich schon nervös gemacht!
Wir erreichten die tolle Saunaanlage und die Reize forderten meine volle Aufmerksamkeit: großes Gelände, unterschiedliche Gerüche, welche ich nicht genau zuordnen konnte, viele visuelle Reize (Menschen, Lichter, verschiedene Räumlichkeiten, Beschriftungen, … ) leise Musik im „Hintergrund“ und es war einfach „zu warm“ für mich. Dann packte mich auch noch die Scham: Bademantel ausziehen und in eine Sauna (für den Anfang mit niedriger Temperatur). Unbekleidete, fremde, schwitzende Menschen um mich herum – diese Tatsache verunsicherte mich und fühlte sich so fremd an. Dazu kam, das ich selbst keine Kleidung trug und mich unglaublich unwohl fühlte. „Wieso macht man das? Wie soll man sich denn dabei entspannen können?“ fragte ich mich immer wieder. Dann war es so weit… Panik machte sich in meinem Kopf breit: „Oh mein Gott, die Räume hier sind viel zu klein und es sitzen so viele Menschen darin. Was ist, wenn die Tür nicht mehr aufgeht und Panik ausbricht? Alle sind nackt, ich möchte niemandes Schweiß abbekommen, vor allem möchte ich niemanden berühren! Ihhh! Es ist einfach zu warm hier drin. Puh, wie soll ich denn das nur aushalten…“ Bilder liefen wie ein Stummfilm durch meinen Kopf und ich musste sofort aus dieser Sauna raus! Auch die Ansätze positiven Denkens halfen nicht. Ich schaffte es einfach nicht, mich dort zu entspannen. Auch auf den Ruheraum konnte ich verzichten. Ich wollte lieber zurück in den Freizeitbereich ❤

Über folgendes war ich mir damals nicht bewusst:

Wenn ich mich hier entspanne und zur Ruhe komme, dann kommen doch die ganzen unterdrückten Ängste hoch. Nein, nein! Lieber tu‘ ich mir die vielen, lauten Kindern an, welche auf den Rutschen um ihr Leben schreien 😀 Ich rutsche genauso gern! Dann fühle ich mich schwerelos und frei, wie ein Kind. Ich kann gemütlich durch die Becken schwimmen, mich über’s Leben freuen und Menschen beobachten. Das lenkt mich ab, von meinen eigenen Problemen. Vor allem bin ich es gewohnt, mich mit permanenten Reizen selbst zu foltern. Also, warum dann entspannen?

Saunieren und Solebecken

Vor einigen Wochen:
Mein Freund und ich hatten einen Gutschein für einen Saunatag, welchen wir endlich mal einlösen wollten. Abmachung wie letztes Mal: Ich probiere es noch mal mit der Sauna und wenn das nicht klappt, ab in den Freizeitbereich. Doch dieses Mal war es anders:

Ankunft im Saunabereich: völlige Reizüberflutung.. mist! Nicht schon wieder! Doch mein Freund nahm sich die Zeit und Ruhe, mir das Gelände zu zeigen. Ich bekam dadurch einen Überblick über den Innen- und Außenbereich. Anschließend brauchte ich einige Minuten, um diese Reize zu verarbeiten. Mein Gehirn speicherte nun automatisch „für mich wichtige Orte“ ab, an welchen ich mich orientieren konnte. Dann gingen wir in die erste Sauna, natürlich langsam anfangen. Also ein Dampfad mit 45 Grad. Ich war überrascht, denn ich empfand das Dampfbad als sehr angenehm. Anfangs war es schon noch befremdlich, mit anderen Menschen gemeinsam dort zu sitzen und komplett nackt zu sein. Doch das legte sich relativ schnell und ich konnte mich tatsächlich entspannen. „Was war denn mit mir los? Cool!“
Ich probierte fast alle Saunen aus und verließ sie einfach, wenn es mir zu heiß wurde. Es trat auch keine Panik ein, wow!
Dann landeten wir immer wieder in diesem tollen Solebecken. Dort trieben wir, gestützt von Schwimmnudeln, im Wasser und lauschten der Unterwassermusik. Ein Gefühl von Schwerelosigkeit und Entspannung überkam mich. Es fühlte sich einfach wahnsinnig toll an! Am Nachmittag wollten wir etwas ruhen. Doch in jedem Ruheraum, den ich ausprobierte, gab es Hintergrundmusik oder -geräusche, welche für mich nicht im Hintergrund waren. Also zog ich los, um den Barfusspfad zu erkunden…

…Mit allen Sinnen

Ich betrat den Barfusspfad und trug nur meinen flauschigen Bademantel. Es nieselte leicht und der Boden war feucht. Es roch nach Wald.. mhh ich sog diesen Geruch in mir auf! Der Weg startete mit unterschiedlichen Bodenbelägen (verschiedene Steinarten, Holz) und führte durch einen kleinen Waldteil. Der Untergrund bestand aus Rindenmulch und aus natürlichem Waldboden. Ich blieb immer wieder stehen, schloss die Augen und erfühlte den Boden mit meinen Füßen. Dazu dieser frische Waldgeruch und die totale Stille. Es breitete sich eine unglaubliche Ruhe und Freude in mir aus. Meine Wahrnehmung der Natur tat mir so gut, dass mich Glücks- und Freiheitsgefühle ausfüllten. Ich vergrub meine Füße in Rindenmulch und unter Steinen. Ich saugte meine Umgebung auf wie ein Schwamm. Freudestrahlend hüpfte ich den Waldweg entlang wie ein Kind, balancierte auf Baumstämmen und erfühlte die Baumrinde.
Ich realisierte, dass die Natur und ihre Wahrnehmung meine Art der Entspannung und des Ruhens war: „Ein Hoch auf meine sensible Wahrnehmung!“.

Selbstbild

Ich stellte mir die Frage, was es mir plötzlich ermöglichte, mich so entspannen zu können. Wir gingen am Mittag in den Freizeitbereich und dort hielten wir uns fünf Minuten auf 😀 Es war einfach zu laut und zu voll! Waaaaaas? Sophie wollte nicht rutschen gehen?! Sophie wollte zurück in die ruhige, warme Umgebung.
Mein positiv verändertes Selbstbild ermöglicht mir diese Form von Entspannung zu zu lassen. Ich mag mich mittlerweile so wie ich bin! Klar, ich bin auch nicht frei von Selbstzweifeln! Das wäre auch zu schön. Doch ich erlaube mir, mich selbst zu lieben – körperlich wie charakterlich. Ich erlaube mir, auf mich und meine Bedürfnisse zu achten. Und ich habe einen Partner an meiner Seite, der viel Rücksicht nimmt und gemeinsam mit mir darauf achtet!

Noch befinde ich mich am Anfang dieser Erkenntnis und bin noch lange nicht bei 100%iger Selbstliebe. Doch ich möchte dir folgendes mit auf den Weg geben:
Niemand von uns ist fehlerfrei – jeder hat seine charakterlichen Ecken und Kanten, das macht uns aus. Genau das formt und zu dem Menschen, der wir sind und gestaltet das Leben spannend. Und egal ob du eine normale, kräftige oder pummelige Figur hast, du hast das Recht, dich selbst zu lieben! Nimm‘ dich so an wie du bist, liebe und schätze dein Inneres und deinen Körper. Stehe zu dir selbst! Das ist momentan mein Weg zur Selbstliebe, Gelassen- und Zufriedenheit.
Und verdammt, JA! Dieser Weg ist nicht leicht! Rückschläge gehören wie in allen Lebensbereichen dazu und wenn wir es zu lassen, können sie uns weiter stärken.

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