Depressiontalk mit Kurti und Torsten

Foto: Sandra Welter

Anfang Januar habe ich meinen Artikel „Mein ganz persönlicher Lockdown – als Körper, Seele und Geist begannen zu heilen“ veröffentlicht. Seit einigen Wochen versuche ich den zweiten Teil dazu zu schreiben. Die Betonung liegt auf „versuchen“. Jedes Mal, wenn ich meinen Laptop aufgeklappt habe, saß ich einige Minuten vor dem leeren Dokument. Ich konnte keinen passenden Anfang finden.

„Doch was passiert, wenn der Alltag mich wieder hat“ beendete ich meinen letzten Artikel.

Tja, von Alltag fehlt aufgrund der Corona-Situation jede Spur. Ich arbeite an einer Förderschule: Lockdown = Home office / Notbetreuung – fast drei Monate lang, seit einigen Wochen sind wir nun im Wechselunterricht. Und von einem geregelten Alltag ist noch immer nicht zu reden.


Chez Krömer

Vor gut drei Wochen habe ich mir „Chez Krömer“ mit Kurt Krömer angeschaut. Sein Gast: Torsten Sträter, 54 Jahre, Komiker, Autor, an Depressionen erkrankt und Schirmherr der deutschen Depressionsliga (https://www.depressionsliga.de).

Überraschung: Die beiden sprechen über psychische Erkrankungen.

Kurt erzählt von seinem Klinikaufenthalt im Herbst 2020 aufgrund von Depressionen. Das Gespräch der Beiden nimmt nun seine Wendung. Sie sprechen darüber, wie es sich anfühlt, in einer Depression zu stecken. Wie heilsam ein Klinikaufenthalt sein kann und und und. Ich möchte nicht zu viel verraten. 

Das Gespräch der Beiden hat einiges in mir bewegt:

Wie ihr wisst, war ich im Früher 2020 selbst wegen einer Depression im Krankenhaus. Seitdem trainiere ich das positive Denken und die passende Einstellung noch bewusster als zuvor.
Seit meiner Entlassung aus dem Krankenhaus, habe ich das tägliche Empfinden, auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen. Wie Kurti in seiner Show über sich selbst sagt „Scheiße, du warst schon 30 Jahre depressiv. Aber du hast noch diese Lebensfähigkeit gehabt“.

Eine Depression kann sich oft über einen längeren Zeitraum anschleichen, bei ihm ging das über drei Jahre. Bei mir waren es ca. sieben Jahre, die ich mit depressiven Phasen zu tun hatte. Die schlimmste Phase schlich sich langsam über sieben bis zehn Monate an. Plötzlich kommt der große Knall und du bist nicht mehr lebensfähig. Kurti erklärt seinen Knall so „Ich wusste nicht mehr wie einkaufen geht.“
Da kann ich mich nur anschließen: Wenn dich plötzlich Angst und Panik packen, du nicht mehr in der Lage bist alltägliche Aufgaben zu verrichten, dann läuft einiges aus dem Ruder.

Heute lerne ich diese depressiven Gedanken und die klassische Abwärtsspirale frühzeitig zu erkennen, anzunehmen und sie zu kontrollieren. Doch mir ist aufgefallen, dass ich die letzten Monate eine Sache falsch gemacht habe. 


Ich habe es mir nicht eingestehen können, auch mal einen richtigen „Scheiß-Tag“ zu haben!

Sehr bewusst habe ich mich von Corona-Sonderberichten und zu vielen Nachrichten dazu fern gehalten. Doch nun, zurück im „Fast-Arbeitsalltag“, ist das nicht mehr so einfach. Alle reden über die momentane Corona-Situation. Ich muss mich darüber informieren wie es mit den Schulen weiter geht, welche Impfstoffe es gibt, welche Risiken können damit einhergehen oder auch nicht und und und. Sehr viel Informationsflut, welche erst einmal gefiltert werden musste. Dadurch begann meine selbsterbaute Schutzmauer der letzten Monate immer wieder zu wackeln. Doch sie riss nicht ein.

Dank des Gesprächs zwischen Kurti und Torsten erkannte ich folgendes:
Ich darf und kann mich bewusst für einen „Scheiß-Tag“ entscheiden. Ich gebe mir die Erlaubnis dazu, von der Coronasituation genervt zu sein, zu zweifeln, das Thema nicht mehr hören zu wollen. Und zwar ohne die Angst zu haben, in die Abwärtsspirale der depressiven Gedanken zu rutschen. Die letzten Monaten befand ich mich in dieser „Lauerstellung“ bloß keinen schlechten Tag zu haben. Mich nicht hängen zu lassen, nicht traurig zu sein, morgens nicht mehr aufstehen zu können, plötzlich mit allem und jedem überfordert zu sein…so wie es die letzten Jahre immer wieder vorkam. Die Angst vor der Angst.


Seit nun einem Jahr befinden wir uns in dieser unsteten und ungewissen Zeit. Es ist nur natürlich, dass uns diese schwere Zeit zweifeln lässt. Vermehrt (Zukunfts-)Ängste auftreten und/oder verstärkt werden. Isolation aufgrund des Lockdown und fehlende Tagesstrukturen erschweren nicht nur das Leben von Menschen mit Depressionen. Es gilt nun weiterhin zusammenzuhalten, aufeinander zu achten und noch mehr für einander da zu sein.

Findest du dich selbst in der Beschreibung der depressiven Verhaltensweisen wieder? Oder hast du eine Person in deinem Umfeld, welche depressive Verhaltensweisen aufweist?

Dann kannst du dich hier weiter informieren:

https://www.rbb888.de/tipps-service/Corona-Hilfe/depressionen.html

https://www.depressionsliga.de/aktuell-beitrag/corona-digitale-hilfen-und-tipps-fuer-menschen-mit-depression.html

Von Sophie

Feinfühlige, kreative Reise durch meine chaotische und strukturgeliebte Welt 🌍🖌

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