Sophie


„Hochsensibilität… was ist denn das überhaupt?“

Wissenschaftliche Fakten:

Hochsensibilität wurde in den 90er Jahren erstmals von der US-amerikanischen Psychologin Elaine Aron beschrieben. Sie begann das Phänomen „angeborene Hochsensibilität“ (Sensory Processing Sensitivity (SPS)) gemeinsam mit ihrem Mann (Professor der Psychologie) zu untersuchen. Sie stuft sich selbst als hochsensibel ein und schrieb viele Ratgeber im Umgang mit der Thematik.

Die wissenschaftliche Forschung stuft dieses psychologische und neurophysiologische „Phänomen“ als Persönlichkeitsmerkmal und genetisches Erbgut ein. Die Hochsensibilität soll bei ca. 15 – 20% der Bevölkerung vorkommen. Die Forschung steht noch immer am Anfang. Es gibt bisher noch keine stichhaltige, methodische Studie, welche den genauen Vorgang (Verarbeitung der Sinnesreize im Gehirn) erklären kann. Die Hochsensibilität ist sehr facettenreich und kann unterschiedlich ausgeprägt sein. 

(Elaine Aron; Informations- und Forschungsverbundes Hochsensibilität e.V. (IFHS))

So weit, so gut. Die grundsätzlichen Fakten hätten wir kurz und knapp geklärt. Nun zu den Merkmalen

Hochsensible Menschen verarbeiten Sinneseindrücke intensiver und tief gehender. Das Gehirn nimmt viel mehr Reize als „wichtig“ wahr und verarbeitet diese nicht standardgemäß. Die Reaktion, welche auf die Wahrnehmung folgt, ist natürlich wesentlich intensiver.
In meinem ersten Beitrag „Die Farben der Wahrnehmung“ habe ich die Wahrnehmung meiner Umgebung und die nicht vorhandene Filterung der Sinnesreize genauer beschrieben.
Die Sinneswahrnehmung findet über alle fünf Sinneskanäle verstärkt statt. Jedoch können einige Sinneswahrnehmungen besonders ausgeprägt sein.

Bei mir persönlich sind es die akustische, die visuelle und die taktile Wahrnehmung. Oftmals tritt auch die olfaktorische Wahrnehmung (Geruchssinn) intensiver ein.
Ich möchte mit der akustische Wahrnehmung beginnen, welche mich im Alltag schon schnell an meine Wahrnehmungsgrenzen bringen kann: Ich nehme unterschiedliche Lautstärken und viele verschiedene Geräusche wahr, welche in meinem Gehirn ankommen. Dort werden die Hintergrundgeräusche nicht ausreichend von den wichtigeren Vordergrundgeräuschen getrennt / unterschieden. Kommt dann noch die visuelle Wahrnehmung dazu, gerate ich sehr schnell an meine Grenzen. Oft beginnt es bei der Beleuchtung, welche ich schnell als grell wahrnehme und meine Augen beginnen zu schmerzen. Das fühlt sich dann an wie ein Migräneanfall: Der Druck auf den Augen wird stärker und der Schmerz nimmt zu. Gönne ich mir nicht schnellstmöglich eine „Pause der Wahrnehmung“, beginnt mein Kopf zu schmerzen.
Ich habe dann das Gefühl, die vielen Farben, Formen, Gesichter mit unterschiedlichsten Gesichtsausdrücken kommen alle ungefiltert und gleichzeitig in meinem Gehirn an. Auch dieser Wahrnehmungskanal überfordert mich dann sehr schnell, da ich diese vielen Eindrücke nicht direkt verarbeite und diese somit ungebremst auf mich einströmen. Mein Gehirn ist wie von Nebel umgeben. Es schließen sich plötzlich Schranken zu einfachen Denkprozessen, welche ich nicht mehr vollenden kann.
Meine Eltern erzählen immer wieder Geschichten aus meiner Kindheit, in denen ich Dinge gehört oder gesehen habe, bevor sie diese überhaupt wahrgenommen haben. Es kam auch vor, dass sie manche Geräusche oder visuelle Ereignisse erst gar nicht wahrnahmen und sich nur fragend anblickten.

Die taktile Wahrnehmung spielt in meinem Leben auch eine große Rolle:
Es gibt viele Kleidungsstücke, die ich auf meiner Haut gar nicht ertragen kann. Ich fühle mich unwohl, es juckt und kratzt. Eine Zeit lang habe ich mich mehrmals am Tag umgezogen, da ich manche Stoffe auf meiner Haut nicht aushalten konnte. Mittlerweile habe ich herausgefunden, welche Kleidungsstücke aus welchem Stoff angenehm und welche für mich sehr störend sind. Ähnlich ist es auch mit unterschiedlichen Oberflächengegebenheiten. Raue Oberflächen nehme ich als unangenehm oder gar schmerzend wahr. Folierte Oberflächen, besonders wenn sie „quietschen“ sobald man mit den Fingern darüber streicht, sind für mich unerträglich. Diese taktile Empfindung ist so unangenehm, das ich innerlich zusammen zucke und es mich schaudert. 

Die ausgeprägte taktile Wahrnehmung reduziert sich nicht nur auf Kleidungsstücke oder Oberflächengegebenheiten, wie ihr euch sicher denken könnt. Ich ziehe sehr viel Energie und Lebensfreude aus den Körperkontakten mit Menschen aus meinem direkten Umfeld (meine Familie, enge Freundschaften, mein Partner). Das ist wiederum eine unglaublich schöne Seite der tiefen taktilen Wahrnehmung, welche ich nicht missen möchte!
Zu der Sinneswahrnehmung kommt die emotionale Hochsensibilität dazu, welche bei mir sehr ausgeprägt ist. Diese kann schöne, jedoch auch schlechte Seiten aufzeigen: Wie oft musste ich mir Folgendes schon anhören: „Du bist aber sensibel“, „Och, unser kleines Sensibelchen“, „Stell’ dich nicht so an“, „Du bist echt bescheuert“, „Du bist ja empfindlich“, „Was ist denn los mit dir?“ … da fragt man sich natürlich irgendwann selbst „Was ist denn eigentlich falsch mit mir?“ 

Die Antwort lautet: „Nichts! Rein gar nichts ist falsch mit mir!“

Ich bin feinfühlig, sensibel, empfindsam, emphatisch, authentisch. Ich besitze sehr feine Antennen was Gefühle und Emotionen meinerseits und Anderer angeht. Ich spüre, wenn es Menschen in meinem Umfeld nicht gut geht. Ich bin ein sehr guter Zuhörer und kann mich gut in andere Menschen hineinversetzten… ist das schlecht?
Naja, eigentlich nicht! Allerdings gab und gibt immer wieder Situationen, in denen ich nicht unterscheiden kann: „Sind das jetzt meine eigenen Gefühle oder die meines Gegenübers?“. Ich lasse mich dann unbewusst auf diese Gefühle ein, fühle sehr intensiv mit und möchte helfen. Weist mein Gegenüber starke positive Gefühle auf, steckt er mich sofort damit an. Ich nehme diese positiven Emotionen und Gefühle sehr intensiv wahr. Das wiederum sind sehr bereichernde Momente.

Generell haben sensible Menschen eine sehr ausgeprägte Intuition, eine hohe Begeisterungsfähigkeit, woraus sie selbst und auch ihre Mitmenschen profitieren. Des Weiteren kommt ein stark ausgeprägter Gerechtigkeitssinn dazu, welcher auch so seine Tücken hat.
Ein weiteres Merkmal ist das Streben nach Unabhängigkeit der eigenen Person: Das große Bedürfnis sein eigenes „Ding“ machen zu wollen / zu müssen, die eigenen bedeutsamen und tiefen Wünsche, Träume und auch Bedürfnisse zu erfüllen und umzusetzen. Leider gehört auch ein höheres Schmerzempfinden zu den Merkmalen der Hochsensibilität, welches bei mir eindeutig ausgeprägt ist. Ein besonders schönes und für mich persönlich sehr bereicherndes Merkmal ist es, Kunst und Musik sehr tief empfinden zu können und davon so sehr berührt zu werden. Musik zu hören und vor allem das Musizieren hilft mir, die umfangreichen Emotionen zu verarbeiten. Doch darauf möchte ich in einem der nächsten Beiträge genauer eingehen. Es soll schließlich spannend bleiben! 😉

Meine Beweggründe des Blogs:

  1. Meine Feinfühligkeit zu einer persönlichen Stärke entwickeln
  2. Euch da Draußen darüber aufzuklären, ein neues Verständnis für diese Menschen zu schaffen und damit Türen für die Kommunikation und den Umgang mit ihnen zu öffnen
  3. Anderen sensiblen Menschen mit meinen Artikeln das Bewusstsein zu geben, dass ihr nicht falsch seid, sondern vollkommen ok!
  4. Neue Kontakte mit Sensibelchen und Interessierten zu knüpfen.

Wenn du nun an dieser Stelle angekommen bist, möchte ich dir ganz herzlich DANKE für’s Lesen sagen! 🙂
Hast du Fragen, Anmerkungen etc.? Kontaktiere mich. Deine Belange greife ich gerne in den nächsten Beiträgen auf. Ich freue mich auf dich!